Der geheime Campusgarten – Ein grüner Lehrpfad, der nicht nur Wissen, sondern auch Erholung bietet und bald auf der Internationalen Gartenausstellung glänzt

Ein Insektenhotel, jede Menge heimische Pflanzen, ein Hochmoor. Seit Jahresbeginn 2024 hat sich viel verändert, auf der ehemals ungenutzten Grünfläche vor Gebäude S05, am Campus Essen.

von Paula Emily Hellwich

09. August 2026

Journalistische und auftragsorientierte Texte

Einer von vielen Besuchern, die sich am Campus erholen.

Die Gartenarena ist ein Ort, an dem viele Menschen mit unterschiedlichen Geschichten zusammenkommen, um „für das gleiche Ziel zu arbeiten“, sagt Lisa, eins von 60 Mitgliedern der Ehrenamtsgruppe GrüNaCampus. GrüNaCampus, ein Wortspiel, das sich zusammensetzt aus Grüner Nachhaltiger Campus. Nachhaltigkeit, das ist ein Aspekt, der unerschütterlich für alle Mitglieder feststeht; sie wollen so nachhaltig wie möglich arbeiten. Und dieser Nachhaltigkeitsgedanke kommt nicht von irgendwoher, denn es gibt „nur eine Gesundheit und als Menschen sind wir auf diese ganzheitliche Gesundheit angewiesen“, so der Geschäftsführer der Fakultät für Biologie, André Kreft.

Der Ort, an dem die Ehrenamtsgruppe arbeitet, wird von dieser „Gartenarena“ genannt. Die Gartenarena besteht aus dem zukünftigen Lehrpfad und dem schon seit Jahren durchgeführten Gartenpraktikum. An zwei festen Terminen in der Woche trifft sich die Gruppe, um gemeinsam am Bau des Lehrpfads zu arbeiten, der bis 2026 zum Sommerfest der UDE fertig gestellt sein soll. Doch nicht nur das: Man möchte an der Internationalen Gartenausstellung 2027 mit dem Lehrpfad teilnehmen.

„Die Universität ist umschlossen von einer Art Park“, sagt Kreft. Um Flächen wie die große Campuswiese kümmern sich externe Firmen, doch die Fläche, auf der heute die Gartenarena liegt, war verwildert und ungenutzt. Die Fakultät für Biologie fragte die Nutzung der Fläche bei der Universität an und so entstand ein Ort, der sich äußerlich in die schöne Parkatmosphäre des Campus einreiht, an dem aber doch viel mehr als nur Gärtnern passiert. Es ist ein Versuch, den Campus nicht nur als Lernort, sondern auch als Lebensraum zu gestalten – für Menschen, Pflanzen und Tiere.

Ins Leben gerufen wurde die Gruppe vom Biologen Kreft: „Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens am Campus, und dann sollten wir uns auch um diesen Campus kümmern. Und dieser ‚Lebensraum Campus‘ sollte auch möglichst lebenswert gestaltet sein“, sagt er. Für den studierten Umweltwissenschaftler stand von vornherein fest, dass Biodiversität und Nachhaltigkeit zwei Faktoren sind, die Einfluss auf jede Entscheidung der Gestaltung der Gartenarena nehmen müssen. In den ersten anderthalb Jahren hat dieses Konzept bereits spürbar Gestalt angenommen.

André Kreft, der Geschäftsführer der Fakultät für Biologie.

Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine neue

Die Ehrenamtsgruppe, die seit anderthalb Jahren stetig wächst, entstand nicht mit einem offiziellen Beschluss, sondern fast beiläufig. André Kreft war es, der die Gruppe ins Leben rief. Vor mehr als 30 Jahren war er selbst Student an der Universität, im Fach Umweltwissenschaften. Damals entwickelte sich schon die Liebe zum Job, die ihn vor anderthalb Jahren dann dazu veranlasste, die GrüNaCampus Gruppe zu gründen. Inspiriert dazu hat ihn ein Australier, der sich mit Permakulturen beschäftigte. Der Australier versuchte, Rückschlüsse daraus zu ziehen, was auf der Farm, die er von einem Onkel erbte, passiert war. Die Farm war ganz verwildert, aber etwas Interessantes war geschehen: Die ehemaligen Kulturpflanzen, die es dort gab, waren nicht überwuchert, sondern mit der natürlichen Vegetation arrangiert. Der Australier versuchte im Anschluss daran ein „urbanes Gardening“, bei dem Aspekte von Architektur, Nahrungsmittelproduktion und Aufenthaltsqualität miteinander vereint werden. Dieses Konzept faszinierte Kreft und bewegte ihn nicht nur zum Studium der Umweltwissenschaft, sondern bezeichnenderweise auch indirekt 30 Jahre später zur Gründung der Ehrenamtsgruppe: „Da schließt sich jetzt ein Kreis“, sagt er.

Neben der Gartenarena verbringt André Kreft auch viel Zeit in seinem Büro, hier entstand unteranderem viel Planung für den Lehrpfad.

Der Ursprung, der die Gründung der Ehrenamtsgruppe überhaupt denkbar machte, liegt noch einige Jahre davor. Am Campus in Duisburg gründete sich 2017 die Campus Gartengruppe, einige Zeit später kam ein Ableger am Campus Essen dazu. Die Gruppe gestaltete vor allem Grünflächen vor dem Gebäude S05. Die zwei Studenten, die maßgeblich die kleine Gruppe zusammenhielten, verließen jedoch nach ihrem Bachelor die Universität und somit auch die Gruppe. Da Kreft das Projekt aber gerne weiterführen wollte, gründete er seine eigene Gruppe. Da man die neue Gruppe davor bewahren will, dass sie sich auflöst, ist sofort klar, dass man berücksichtigen muss, dass „Studierende in ihren eigenen Rhythmen [leben]“. Also stellt man den kommenden Mitgliedern frei, ob und wann sie mitmachen wollen, und macht die Gruppe zu einem Ehrenamtsangebot. Auch Lisa schätzt das sehr: „Man ist überhaupt nicht gebunden, dadurch dass das ehrenamtliche Arbeit ist“, sagt sie lächelnd, „es ist ein angenehmes Umfeld, weil so gut wie jeder da ist, weil er da sein möchte und Spaß an dem hat, was er dort tut“. Es ist schön „dort hinzugehen und danach einfach ein gutes Gefühl zu haben, weil man weiß, man hat was geschafft“.

Nur wer sät, der wird ernten

„Ziel ist es, den Lehrpfad zum Sommerfest 2026 offiziell zu eröffnen“, sagt Kreft. Wenn man bedenkt, wie viel sich in anderthalb Jahren schon in der Gartenarena verändert hat, ist das ein realistisches Ziel, das sich die Ehrenamtsgruppe gesetzt hat. Sie bewegten in dieser Zeit 42 Tonnen Ruhrsandstein. Ein regionales Baumaterial, das die Gruppe mit offenen Armen entgegennahm, da dieses sonst verschrottet worden wäre. Daraus bauten sie Trockenmauern, die die verschiedenen Ebenen des am Hang liegenden Lehrpfades bilden und das Zuhause für verschiedene Kleintierarten wie die Mauerbiene sind. Der Lehrpfad soll 15 Stationen haben, von denen bereits einige fertiggestellt sind. Die erste Station ist ein Turmfalken-Nistkasten, der am Gebäude S05 befestigt ist. Interessierte können den Nistkasten über einen Dauer-Livestream beobachten. In Zukunft sollen noch Nistkästen für Igel und Eichhörnchen gebaut werden, die ebenso mit einer Überwachungskamera ausgestattet sein sollen. Der Lehrpfad „soll einen langfristigen Beitrag leisten, um dem Campus in Essen eine höhere Aufenthaltsqualität für Menschen, Tiere und Pflanzen zu schenken“, sagt Kreft. Um die Zielgrade nicht aus den Augen zu verlieren, trifft sich die Gruppe regelmäßig, um gemeinsam voranzukommen. Montags arbeiten sie am Lehrpfad und in der Vorlesungszeit des Sommersemesters fand jeden Freitag das Gartenpraktikum statt.

Geplant sind 15 Stationen des Lehrpfades.

Nicht zu vergessen, ist der Fokus auf Forschung und Lehre: „Der Lehrpfad soll natürlich auch einen gewissen Lehreffekt erzielen. Man möchte die Möglichkeit geben, sich über bestimmte Zusammenhänge zu informieren, zum Beispiel an dem Moorbeet, was Hochmoore so wertvoll macht“. Das Hochmoorbeet ist eine von mehreren Stationen, die sich in einem stetigen Entwicklungsprozess befinden, sodass die Studenten der Fakultät für Biologie nicht nur im Labor, sondern auch mit eigenen Forschungsprojekten arbeiten können. Aber auch Besucher des Lehrpfads können dort ein Hochmoor kennenlernen und sich darüber informieren.

Ein Ziel, das sich noch in einiger Ferne befindet, ist die Teilnahme an der Internationalen Gartenausstellung 2027, auch IGA genannt. Die Mitglieder der Ehrenamtsgruppe müssten deswegen besonders aufgeregt sein, da diese nur alle zehn Jahre stattfindet. Sie wurde erstmals 1865 ausgetragen, jedoch noch nie im Ruhrgebiet. Dieses Mal findet sie in der Metropole Ruhr statt, die sich auf die Teilnahme bewarb, weil man 2015 in einer Studie herausfand, dass Menschen außerhalb des Ruhrgebiets der gesamten Region eher negativ gegenüberstehen. So erhofft man sich eine Imageverbesserung und viele neue Fans für das Ruhrgebiet. Unter dem Motto „Für eine Welt im Wandel“ wird sie von April bis Oktober veranstaltet und spannt sich über die gesamte Region unter dem Fokus der Nachhaltigkeit. Der Campus Essen befindet sich mit seinem Lehrpfad also mittendrin, wenn mindestens acht Millionen Besucher in der Metropole erwartet werden.

Ein Garten voller Wunder

Wie kommt es überhaupt zu einer unbenutzten, verwilderten Fläche an einer Universität? „Es gibt das böse Wort der Architekten Petersilie“. Damit meint Kreft, dass man beim Bau des Universitätscampus Essen, in den späten 60er Jahren, weniger Rücksicht auf Aspekte wie besonderen ökologischen Wert nahm, sondern sich viel mehr an Pflegeleichtigkeit und Rückschnittverträglichkeit orientierte, um einer allgemeinen „Stadtpark-Ästhetik“ zu genügen. Denn die Universitätsgebäude sind von einer parkartigen Landschaft umschlossen, welche sich in der Regel durch Pflanzen und Gewächse auszeichnet, die den Gebäuden eine gute Umgrenzung und Umgebung geben. Dieser Baumbestand besteht aus Platanen und Roteichen. Typische Stadtbäume, die Schatten spenden und durch das verdunstende Wasser für ein ausgeglichenes Klima sorgen. Doch sie bieten kaum bis keine Blüten oder Früchte, die die heimische Tierwelt nutzen kann.

Bodennahe Gewächse wie die Korallenbeere bewucherten damals die gesamte Grünfläche. Die Korallenbeere hat jedoch nur eine kurze Blütezeit – sehr zum Nachteil der Wildbienen und Vögel, die ein ganzjähriges Nahrungsangebot brauchen. Also entfernte die Gruppe mühevoll das riesige Gesträuch: „auch die Brombeere mussten wir entfernen, da sie die Fläche sehr erobert hatte“, sagt Kreft, „ich weiß nicht, wie oft ich schon abends zu Hause gesessen habe und mir die kleinen Brombeerdornen aus den Fingerspitzen gepult habe, weil sie durch die Handschuhe gestochen haben“, lacht er. Seine Leidenschaft erfüllt sichtlich den Raum, durchgehend muss er etwas tun: Entweder legt er heruntergefallene Äst auf den Kompost oder er hält ein Stück Rindenmulch in den Händen. „Was das Projekt angeht, hat das vor allem viel Freude gemacht“, sagt er lächelnd.

Es gibt immer etwas zu tun – hier schippt der studierte Umweltwissenschaftler eine tiefliegende Kabelleitung frei.

Die Bienen sind nicht vergessen. So haben sie die Möglichkeit, sich im Insektenhotel oder in den Trockenmauern aufzuhalten. Viele verschiedene Pflanzen wie Thymian oder Rosmarin dienen den menschlichen und tierischen Besuchern als Nahrungsquelle. Zwei Hochbeete aus Totholz wurden eingerichtet, um zu sehen, wie unterschiedlich sich diese im Laufe der Zeit entwickeln.

Eine Grillstelle bietet zusätzliche Aufenthaltsqualität für alle, die sich dort vorher ein Zeitfenster reservieren und einige Ehrenamtsstunden auf der Grünfläche leisten.

Die gemütliche Grillstelle bietet platz für 10-15 Personen.

Helfende Hände sind immer gerne gesehen. „Man möchte auch neue Leute kennenlernen, die für das gleiche Ziel arbeiten“, sagt Lisa, die die Idee gut findet, über die Nutzung der Grillstelle indirekt neue Mitglieder anzuwerben. Sie betont die Vorteile der Arbeit in dem Ehrenamt. Unter anderem, dass man immer etwas an der „frischen Luft“ macht. Für sich selbst sieht sie darin außerdem noch den Ausgleich zum sonst sehr digitalen Alltag: „Dort kann man wirklich auch mal hands on etwas verändern“. Die zentrale Lage der Gartenarena ist ein weiterer Vorteil: „Wenn man was zusammen unternehmen möchte und was Gutes tun will, dann kann man sich einfach gleich in der Gartenarena treffen“, sagt Lisa. Und natürlich ist das gute Gewissen nie zu vernachlässigen, denn „zu sehen, man hat hier für eine bestimmte Pflanzenart einen Lebensraum geschaffen, ist am Ende des Tages ein befriedigendes Gefühl“. Die bereits erwähnte moderne und große Grillstelle wurde selbstverständlich schon eingeweiht. Die Mitglieder der Ehrenamtsgruppe trafen sich zum Ende der Vorlesungszeit, Mitte Juli, und feierten das gelungene Sommersemester und die letzten anderthalb Jahre Durchhaltevermögen und Fleiß. Dafür ernteten sie auch ihr zuvor im Semester gut behütetes und sehnsuchtsvoll erwartetes Gemüse. Natürlich läuft nie alles immer genau nach Plan, denn von einem der drei Beete des Gartenpraktikums konnte leider nur wenig geerntet werden, weil es dadurch, dass es sehr schattig steht, kaum Sonnenlicht erhält.

Der Ort an dem die Biologiestudenten ihre Beete für das Praktikum bepflanzten.

Kleine Taten, große Wirkung

„Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier unseren eigenen Campus haben, und wir da auch einen Auftrag haben“. Kreft ist neben der Tätigkeit als Geschäftsführer zusätzlich noch Nachhaltigkeitsbeauftragter. Er will nicht nur eine vernachlässigte Grünfläche wieder „schön machen“, er will noch viel mehr. Biodiversität bedeutet, einen Lebensraum zu schaffen, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen ein Zuhause finden. Man verbringt einen Großteil seines Lebens „vor der eigenen Haustür“, sagt Kreft, „das ist also ein bedeutender Teil unseres Lebens und dann sollten wir uns auch um diesen Campus kümmern“, sagt er. „In dem Sinne, dass es nur eine Gesundheit gibt, sollte der Lebensraum auch möglichst lebenswert gestaltet sein“. Woher stammt dieses Denken? Das „Research Center One Health Ruhr“ der Universität steht stellvertretend für den Gedanken: „Wir haben nur die eine Gesundheit“. Denn one health bedeutet eine Gesundheit. Es ist nicht nur eine Gesundheit des Menschen, die trennbar von der Gesundheit der Umwelt wäre, sondern in Wirklichkeit gibt es nur eine Gesundheit „und als Menschen sind wir auf diese ganzheitliche Gesundheit angewiesen“, sagt Kreft.

„Und trotzdem weiß ich, dass das nicht die Welt rettet“. Kreft geht positiv an das Projekt: „Das ist nicht der entscheidende Beitrag in der Umwelt Debatte“, aber „ich glaube, der eigentliche Effekt für mich ist, dass es für mich mein ganz kleiner Beitrag ist in ich weiß nicht welchem Millionstel Anteil, etwas positives zu machen und ein Beispiel zu geben, was man erreichen kann, wenn man einfach mal anpackt und anfängt und das persönliche Gewissen auch ein Stück weit beruhigt“. Es zählt jeder noch so kleine Beitrag.

Nach dem Credo der Nachhaltigkeit versucht die Gruppe auf alle Möglichkeiten der Nachhaltigkeit zurückzugreifen. Dieses definiert sich über die drei gleichwertigen Säulen der ökologischen Tragfähigkeit, der Wirtschaftlichkeit und der sozialen Gerechtigkeit. Der ökologische Aspekt, auf dem besonders der Fokus liegt, meint einen schonenden Umgang mit Ressourcen, die Erhaltung der Artenvielfalt und die Reduktion von Umweltverschmutzung. Alles das setzt die Ehrenamtsgruppe bereits um. Abgesehen von der Wiederverwendung verschiedener Materialen wie dem Ruhrsandstein, die sonst verschrottet worden wären, gibt es eine Kompoststelle extra für Kaffeepulver, die einen herrlichen Kaffeeduft über die Grünfläche verbreitet. Die Fläche verfügt vorteilhafterweise auch über eine Regenwasserzisterne, die die Gruppe zum Bewässern der Grünfläche nutzt; so wird nichts verschwendet und es schließt sich ein (Wasser-)Kreislauf.

Auch die Münze will bedacht sein

Der aufmerksame Leser müsste sich inzwischen längst die Frage gestellt haben, wie sich die Ehrenamtsgruppe überhaupt finanziert. Die Ehrenamtsgruppe gilt nicht als offizielle Hochschulgruppe, sodass sie keine Mittel zur Förderung bei der Universität direkt beantragen kann. Aber da die Ehrenamtsgruppe zur Fakultät für Biologie gehört, finanziert die Fakultät die GrüNaCampus Gruppe ein Stück mit. Die Fakultät selbst wird vom Stifterverband gefördert. Dieser fördert aktuell 3.500 weitere Projekte, die Höhe der geförderten Summe liegt im Schnitt bei jährlich 33,6 Millionen Euro. „Einen vierstelligen Betrag“ bekommt die Gruppe davon jährlich, sagt Kreft.

Mehrere Teilnahmen an Preisausschreibungen brachten zusätzlich 10.000 Euro ein. Diese setzten sich zusammen aus den „Umweltchecks NRW“, dem „be moVe“ sowie dem „eine Uni – ein Buch“ Programm. „Wir mussten in der Anfangszeit viele einmalige Kosten tragen, die Kosten der Folgejahre werden wohl bei 2.000 bis 3.000 Euro im Jahr liegen“, schätzt Kreft.

Wo gehobelt wird, fallen Späne

Ein Bereich, der der Öffentlichkeit zugänglich ist, unterliegt natürlich strengen Kontrollen, um der „Verkehrssicherheit zu genügen“, sagt Kreft. Das „Projekt Lehrpfad“ ist also auf andere Entscheidungsträger angewiesen. So soll sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Arbeitssicherheit überprüft und nach Kriterien qualifiziert werden. „Da ahne ich schon, dass es da vielleicht ein paar schwierige Entscheidungen geben wird, wo man hoffentlich konstruktive Lösungen finden kann“. Bis Herbst möchte man ein erstes Treffen mit Experten vereinbaren, um bis zu der offiziellen Eröffnung Sachen nachbessern zu können: „Da hoffe ich einfach drauf, dass wir Lösung mit Augenmaß finden“, sagt Kreft abschließend dazu.

Auf die Frage hin, ob es in seinem Beruf so etwas wie eine Mode gäbe, sagt Kreft: „Ich würde es nicht als Mode, sondern eher als eine gesellschaftliche Entwicklung bezeichnen. Ich glaube, das Thema der Nachhaltigkeitsforschung ist in den letzten Jahren immer mehr ins Bewusstsein hineingesickert und mittlerweile auch in der Breite der Gesellschaft angekommen“.

Das Projekt zeigt, dass Lehre, Forschung, Nachhaltigkeit und Spaß zusammengehen können.

Ein weiteres Projekt

Der Geschäftsführer, André Kreft, leitet noch ein weiteres spannendes Projekt. Begonnen hat alles mit einem Geschenk. Die Philipp Holzmann AG schenkte der Universität einen Pavillon. Nach reichlicher Überlegung, wo man das Geschenk platzieren könne, entschied man sich, das bereits existierende Wasserbassin vor Gebäude S05 umzufunktionieren. In Zukunft sollte dieses nämlich als Reflektor für den darüberstehenden Pavillon fungieren. Nachdem man den Pavillon also über das Wasserbassin platziert hatte, füllte man dieses wieder mit Wasser auf. Was man jedoch nicht hätte wissen können: In wenigen Jahren würden sich dort über 500 Fische ausbreiten. Der Teich war zum Biotop geworden, weil einige Wasservögel wie Stockenten oder Nilgänse „sich dort zu Hause fühlten und über ihre regelmäßigen Besuche am Teich Fischleich einschleppten“. Doch das grade einmal ca. 90 Quadratmeter kleine Gewässer wurde nicht nur auf natürlichem Wege besiedelt. Auch Anwohner trugen zu der Besiedelung bei. Sie entsorgten eigene und besorgten neue Fische mit dem Gedanken: „Selbstverständlich gehören in einen solchen Teich auch Fische hinein“. Im Herbst 2024 musste der Pavillon dann neuen Rostschutz bekommen, sodass man das Wasserbassin leerpumpte, dabei entdeckte und zählte man die Fische und entdeckte etwas Weiteres sehr Spannendes. Durch die hohe Anzahl an Fischen und das kleine Nahrungsangebot war ein großer Fraßdruck unter den Wirbeltieren entstanden. Von den kleinen Wasserschnecken, die man in den letzten Jahren immer wieder als Nahrung für die Fische in das Gewässer platziert hatte, war nichts übrig geblieben. Die Kriechtiere waren ungewöhnlicherweise rückstandslos aufgefressen worden. Um den Fischen nicht ihr Zuhause zu nehmen, entschied man sich, diese wieder in das Wasserbassin einzusiedeln. Um aber nicht zum alten Zustand zurückzukehren, gestaltete man den Mini-Teich um. Man errichtete Sumpfzonen die große und kleinere Fische voneinander trennen sollten. Des Weiteren sollten Pflanzen für die kleineren Wasserbewohner als Schonräume und auch als Verstecke vor den Fischen dienen. Wieder nutzte man dafür den Ruhrsandstein, den man auch für die Bodenmarkierungen und die Trockenmauern des Lehrpfads nutzte. Bei der Einrichtung dieser Sumpfzonen war zusätzlich noch von Interesse, die Artengarnitur an so einem Teich kennenzulernen, zu erfassen und zu erhalten.

Abwarten und Tee trinken

Aus einer vergessenen Ecke des Campus ist ein Ort entstanden, der zeigt, was möglich ist, wenn viele Hände und Ideen zusammenkommen. Hier wird nicht nur gegraben und gepflanzt, es entstehen Begegnungen, Wissen und ein Stück gelebte Nachhaltigkeit. Langfristig könnte der Garten zu einem festen Bestandteil des Campuslebens werden, ein Ort, der Studierende, Mitarbeitende und Gäste gleichermaßen anzieht, ob zum Mitgärtnern, Forschen oder einfach, um zwischen Vorlesungen die Seele baumeln zu lassen. Vielleicht wird die Gartenarena in ein paar Jahren sogar als kleines Highlight des Campus Essen gelten, ein Beweis dafür, dass Engagement und Gemeinschaftsgeist eine verwilderte Fläche in einen lebendigen Lebensraum verwandeln können.

 

Das Copyright der Bilder liegt bei der Autorin.

 

Hinweis: KI-Unterstützung durch ChatGPT (Version GPT-5, openAI, 2025).